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JobSpezial April 2009
Jobsuche & Recruiting 2.0 in der Krise?
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| Experteninterview mit Werner Brendli, Berater für akademische Berufe bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) in München |
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Alma Meise (AM): Grüß Gott Herr Brendli, ich hoffe bei Ihnen scheint die Sonne?!
Werner Brendli (WB): Grüß Gott aus München. Blauer Himmel, eine Wonne, liebe Alma Meise. Alma Mater kenne ich ja, aber die Alma Meise ist mir noch nicht über den Weg gelaufen.
AM: Oh, eigentlich kennt man mich überall, selbst im fernen Amerika... Aber zu unserem Interview. Seit wann sind Sie für die BA denn am Start?
WB: Puuh, eine lange Zeit schon. Müssten inzwischen schon über 25 Jahre sein. Bin eigentlich immer schon im Akademikerbereich tätig, neben Beratung organisiere ich Workshops/Seminare rund ums Thema Berufseinstieg, mache Vorträge über Jobsuche im Internet mit Jobbörsen, Jobsuchmaschinen etc. Gerade sitze ich in unserem Büro an der LMU in München.
AM: Was müssen Berufseinsteiger derzeit beachten bei der Jobsuche? Vielleicht zunächst mit dem Augenmerk auf die Geisteswissenschaftler… |
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WB: Gut, elementar für alle, ob Geistes- oder Naturwissenschaftler, sollte sein, dass man weiß, welche Ziele man hat und was man für die Jobsuche mitbringt. Habe ich Praktika absolviert, mich ehrenamtlich engagiert, schlicht: Bringe ich die für die Stelle geforderten Voraussetzungen mit?
Insgesamt kann man sagen, dass sich die Situation für Berufseinsteiger mit geistes- bzw. sozialwissenschaftlichem Background im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hat. Allerdings darf man nicht alle über einen Kamm scheren, wie es so schön heißt. Jeder bringt unterschiedliche Qualifikationen mit. Wer keine Ziele hat und darüber hinaus keinerlei praktische Erfahrungen, wird es mit dem Berufseinstieg schwer haben.
Zudem gibt es Absolventen, die sich mit recht enger Perspektive dem Arbeitsmarkt zuwenden und etwa nur Non-Profit-Organisationen oder einzig und allein den Kulturbereich auf ihrem „Job-Radar“ haben. Hier gilt es dann nachzuhaken und u.U. nachzujustieren. Denn: Warum so eng aufgestellt sein? Vielleicht gibt es doch noch andere (breitere) Bereiche an die man zunächst gar nicht gedacht hatte.
AM: Wie steht es denn um die Absolventen der Betriebs- bzw. Volkswirtschaftslehre?
WB: Auch den vor einem Jahr noch stark umworbenen BWLern geht`s nicht mehr ganz so gut: Während in den „zahlenorientierten“ Bereichen (z.B. Controlling) der Einstieg immer noch ganz vernünftig funktioniert wird`s in beliebten Sektoren wie Personalwesen oder Marketing schon deutlich schwieriger. |
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AM: Schließlich zu den Absolventen aus dem technischen Bereich? Ingenieure, technische Einkäufer, eben die, die als Fachkräfte bezeichnet werden und um die sich der „war of talents“ im vergangenen Jahr so stark drehte?
WB: Meines Erachtens setzt hier eine Normalisierung ein, die bei der Jobsuche den MINT-Absolventen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) vor Augen geführt wird. Es hagelt durchaus auch Absagen.
Dennoch: Man kann nicht davon sprechen, dass die technischen Fachkräfte insgesamt größere Probleme bei der Jobsuche hätten. Allerdings bekommen wir etwas mehr Besuch von Absolventen auch solcher Fachrichtungen Das hängt sicher damit zusammen, dass sich der Arbeitsmarkt vielleicht langsam von einem reinen Bewerber- hin zu einem Arbeitgebermarkt entwickeln könnte. Und ein wenig bekommen dies auch Informatiker und Ingenieure zu spüren, weil sie jetzt vielleicht 10 statt bisher drei Bewerbungen schreiben müssen. Aber noch einmal: Die Einstiegschancen für technische Fachkräfte sind nach wie vor gut.
AM: Und die „High Potentials“? Was ist mit denen: Müssen die jetzt auch mehr Bewerbungen schreiben?
WB: Die wirklichen „High Potentials“ sind zu jeder Zeit gefragt. Aber auch unter Firmen gibt es Top-Adressen – und die wiederum haben jetzt auch wieder die größere Auswahl. Das heißt einfach, in etwas schwierigeren Zeiten wie momentan kann sich auch der Spitzenabsolvent das Unternehmen nicht mehr beliebig aussuchen. |
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AM: Herr Brendli, Sie wissen wahrscheinlich besser als ich, das die BA nicht unbedingt einen guten Ruf unter Professionals, Absolventen oder Studenten genießt. Worin liegen dann die Stärken der BA, frage ich Sie, wenn mir immer wieder zu Ohren kommt, dass junge Leute der Auffassung sind, bei Ihnen für die Jobsuche keine adäquate Hilfe zu erfahren bzw. zu finden? Was entgegnen Sie auf diesen Vorwurf?
WB: Klar. Das kommt uns auch zu Ohren und wie alle anderen arbeiten wir an uns, um noch besser und attraktiver zu werden.
Ich sehe die Stärken der BA in Bezug auf den Berufsseinstieg auf zwei Feldern: Wir sind zum einen ein wichtiger Player auf dem Markt der Jobbörsen – über alle Berufe gesehen dürfte in www.arbeitsagentur.de wohl die größte Zahl an Stellenangeboten zu finden sein. Dazu kommt, dass in den letzten Jahren sehr viel in eigene Arbeitgebervermittler, die ständigen Kontakt zu Firmen halten, investiert wurde und so die Akzeptanz der BA bei Unternehmen stark gestiegen ist.
Zum anderen liegt unsere Stärke in der Beratungskompetenz. Nennen Sie mir doch mal, liebe Alma Meise, einen im Job&Karriere-Markt, der nicht von vornherein pro domo, sprich, im Hinblick auf das eigene Unternehmen berät? Ergo: Wir haben dahingehend ein Alleinstellungsmerkmal, dass wir keinerlei kommerzielle Interessen haben, dass wir einfach neutral und kundenorientiert beraten können.
AM: Zusammengefasst: In schlechten Zeiten braucht es bei einem Arbeitgebermarkt eine höhere Passgenauigkeit seitens der Bewerber. Was können diese noch tun? |
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WB: Nun, wichtig ist, dass man als Bewerber für sich das Angebot von Jobbörsen und anderen Tools zur Jobsuche strukturiert. Man muss Orientierung finden, in dem man beispielsweise unsere Linkliste an Anbietern im Job&Karriere-Bereich durchforstet und sich einen ersten Überblick verschafft.
Ein weitere Möglichkeit wären Empfehlungen, wie etwa alma mater oder seine Online-Partner. Das Problem ist, dass es eine enorme Vielfalt an Information zu Job&Karriere im Internet gibt. Man wird fast erschlagen. Wenig bekannt bei Absolventen sind leider auch die sehr effizienten Jobsuchmaschinen, die eine Vielzahl von Stellenbörsen und/oder Firmenhomepages nach ausgeschriebenen Positionen durchsuchen.
Zudem ist es gerade jetzt elementar, dass Bewerber mehr Eigenmarketing betreiben und nicht nur auf ausgeschriebene Stellen warten: Das heißt Initiativbewerbungen, aktiver Besuch von Jobmessen, u.U. auch Zeitarbeit. Natürlich kann es auch sinnvoll sein, die Suchzeit für Weiterbildung zu nutzen, das kann z.B. ein Masterprogramm sein, durchaus aber auch ganz praktisches Know-How (SAP, Sprachen).
Übrigens: Ich halte Zeitarbeit für jemanden, der in einem Bereich zu wenig Berufserfahrung hat und dort Fuß fassen will, als eine gute Möglichkeit, sich diese zu beschaffen.
Ein Business-Netzwerk wie Xing ist für Berufseinsteiger heute schon wichtig – in einigen Jahren möglicherweise so etwas wie ein absolutes Muss. Ein regelmäßig gepflegtes Profil mit allen wichtigen Kriterien (Ich suche, Ich biete, Werdegang, Über mich etc.) ist Standard.
Was schließlich Professionals bzw. Berufserfahrene anbetrifft, können diese sich zurzeit doch etwas zurücklehnen. Sicherlich ist auch hier Vorsicht geboten – ein nicht unbedingt notwendiger Wechsel sollte in solchen Zeiten gut überlegt sein. Allerdings: Vielen wird es im Moment auch nachdenklich zumute sein, wenn sie sehen, dass Ihr Unternehmen beispielsweise Kurzarbeit anmeldet. Dies kann ein Grund sein, um sich nach Alternativen umzusehen. |
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AM: Was ist denn schließlich mit den neuen Medien. Sie erwähnten Xing. Und was ist mit Twitter oder Facebook, wo ich, Alma Meise, Bewerbern Hilfestellungen biete oder auf für Arbeitgeber bzw. Bewerber interessante Artikel und Funktionen von www.alma mater.de und Partnern verweise?
WB: Auf jeden Fall! Das Thema Netzwerken nimmt für Bewerber eine zentrale Position ein, wie Du schon zutreffend festgestellt hast, Alma. Auch Bewerbungsvideos werden in Zukunft wichtiger sein vor dem Hintergrund, dass auch Unternehmen immer mehr Videos zur Bewerbergewinnung / Imagepflege einsetzen.
Aber: Ein Teil dieser Möglichkeiten ist bei langem noch nicht ausgereift. Aber wenn Unternehmen sich inzwischen mit Firmenvideos Bewerbern vorstellen, können Bewerber dies auch machen. Bewerbungsvideos, wie diese etwa bei praktika.de für Auslandspraktika durchgeführt werden, sollten Studenten ausprobieren, wenn sie selbst kein Praktikum im Ausland finden. Oder aber als zusätzliches Bewerbungstool genutzt werden.
AM: Ihr Fazit für Bewerber könnte demnach lauten: Konzentrieren und weiter Initiative zeigen. Sollte dies nicht mehr funktionieren, kann man sich immer noch an diversen seriöse Unternehmen wenden, die einen kostenlos beraten. Manchmal ist nämlich ein Außenstehender für den Blick auf das eigene tun besser geeignet als das alltägliche Umfeld.
WB: Tja, Alma, was soll ich dem noch hinzufügen? Sicherlich lässt man sich mal hängen, aber es geht immer wieder aufwärts und eine Möglichkeit gibt es immer!
Die Fragen stellte Alma Meise, die als weltweit einzige Karriereameise Bewerbern mit Rat und Tat zur Seite steht. |
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